Überraschungen und Enttäuschungen der NFL Saison 2016

Nach einem historisch spannenden Super Bowl 51 ist die NFL Saison 2016/17 auch schon wieder Geschichte. Zwischen September und Februar gab es unzählige Highlights aber auch einige Enttäuschungen für eingefleischte Fans. Wir haben die vergangene Spielzeit noch einmal Revue passieren lassen und präsentieren euch hier unsere ganz persönlichen Überraschungen und Enttäuschungen der NFL!

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Nicolas – @threecolas

Überraschungen

Sam Bradford: Der Trade zwischen den Minnesota Vikings und den Philadelphia Eagles wurde von vielen belächelt, für einen verletzungsanfälligen Quarterback gaben die Vikings zwei hochwertige Draftpicks ab. Das sich dieser Trade im Laufe der Saison als gar nicht so lächerlich herausstellte, ist für mich eine der positiven Überraschungen der Saison.

Da Teddy Bridgewater immer noch mit seiner schrecklichen Knieverletzung zu kämpfen hat, steht hinter seiner Zukunft im hohen Norden mittlerweile ein großes Fragezeichen – manche spekulieren sogar über ein Karriereende. Aus dem Platzhalter Sam Bradford wurde in der vergangenen Spielzeit glücklicherweise ein Leistungs- und Hoffnungsträger für die Vikings.

In den Jahren zuvor konnte Bradford immer wieder sein Potenzial aufblitzen lassen, schwere Verletzungen warfen ihn jedoch immer wieder zurück und verbauten ihm die Karrierechancen in Buffalo und Philadelphia. Minnesota sollte seine letzte Möglichkeit sein, sich als fähiger NFL-Starter zu beweisen.

Mit einem Karriere-Bestwert von 3.877 Yards, 20 Touchdowns und nur fünf Interceptions konnte er sich dieses Startrecht erarbeiten und erntete von den Verantwortlichen viel Lob. Sein Headcoach Mike Zimmer lies zum Saisonende verlauten, dass „er sich das Recht auf den Startplatz als Quarterback verdient hat.“ Hinzu kommt ein neuer NFL-Saison-Rekord bei angekommenen Pässen, stolze 71.6 % konnte er an seine Receiver bringen.

Zwar lies die Offense der Vikings oft zu wünschen übrig und der starke Saisonstart reichte letztendlich nicht für die Playoffs, Sam Bradford machte aber einiges richtig. Die Passing-Offense rangiert laut DVOA auf einem guten 18. Platz, der gesamte Druck lastete aber immer auf den Schultern des Quarterbacks. Da das Laufspiel nur den 31. Platz belegte, war der Angriff sehr abhängig vom Passpiel.

Sam Bradford konnte sich – auch dank einer verletzungsfreien Saison – als Leistungsträger in einem aufregenden und hoffnungsvollen Team etablieren. Ich bin gespannt, wie sich die Situation in der Offense der Vikings in der nächsten Saison entwickelt. Sollte sich ein brauchbares Laufspiel etablieren, könnten sie sich als sehr unangenehmer Gegner herausstellen. Die Entwicklung von Sam Bradford hat mich auf jeden Fall positiv überrascht und ich hoffe, er kann an diese starke Saison anknüpfen.

Joey Bosa: Im Gegensatz zu Sam Bradford hatte Joey Bosa erst einmal niemandem etwas zu beweisen, sein Status als einer der vielversprechendsten Rookies des Jahrganges war schon vor der Saison bekannt. Da sich der junge Defensive End und die San Diego ( … oder Los Angeles?!?) Chargers leider nicht so schnell auf einen Vertrag einigen konnte, verpasste er die ersten vier Saisonspiele. Wem bei dieser Geschichte der schwarze Peter zugeschoben werden kann, ist ein anderes Kapitel und ich möchte mich auf die überragenden Leistungen in Bosa’s Rookie Saison konzentrieren.

Mit gerade mal 21 Jahren und nur 12 Karrierespielen zählt Bosa bereits zu den besten Pass Rushern der gesamten NFL! Insgesamt konnte er 29 Tackles und 10.5 Sacks verbuchen – sein Spiel strotzt nur so vor Kraft, Beweglichkeit und Durchsetzungsvermögen. Beim 33:30-Sieg gegen die Atlanta Falcons konnte er eine der besten O-Lines der Liga aufmischen, verbuchte vier Tackles und zwei Sacks.

Unter dem neuen Defense Coordinator Gus Bradley soll das System der Chargers von einer 3-4 auf eine 4-3-Defense umgebaut werden. Ein Schritt, der sich für Joey Bosa als Segen erweisen könnte! Für ihn ergibt sich mehr Platz und er kann seine Schnelligkeit besser ausspielen, außerdem Spielte er bereits am College im selben System.

Die Defense der Chargers zeigte sich in dieser Saison stark verbessert und konnte von Platz 28 (2015/16 DVOA) auf Platz 8 (2016/17 DVOA) klettern. Beim Laufspiel erlaubten sie nur 3.8 Yards pro Versuch, was einen starken 7. Platz aller NFL-Teams bedeutet. Eine der besten Disziplinen war – auch dank Bosa – das Erzwingen von Turnovers. Stolze 28 Ballverluste konnten die Chargers ihren Gegnern abluchsen, damit bewegen sie sich unter den besten fünf Teams der Liga!

Für mich ist Joey Bosa ganz klar eine der positiven Überraschungen der Saison. Man hatte sich viel von ihm erwartet, dass er aber gleich so einschlägt und die Defense der Chargers auf ein anderes Level hebt, hätten ihm nur die wenigsten zugetraut. Dank einiger Anpassungen in der neuen Saison dürfte sich diese starke Entwicklung fortsetzen und Bosa wird zum Anker einer der heißesten Verteidigungen der Liga.

Enttäuschungen

Todd Gurley: Nach dem Umzug der St. Louis Rams nach Los Angeles sollte an der Westküste ein neues Kapitel der NFL geschrieben werden, einer der Hauptakteure sollte der 22-jährige Running Back Todd Gurley werden … sollte.

In seiner Rookie-Saison wurde er als Offense Rookie of the Year ausgezeichnet und wurde sofort in den Pro Bowl gewählt. Außerdem war er der erste NFL Rookie, der in seinen ersten vier Spielen jeweils mehr als 100 Yards erlaufen konnte. Am Ende der Saison standen 1.106 Yards, 4.8 Yards pro Versuch und zehn Touchdowns auf dem Statistikbogen.

Auf ihm lasteten also die Erwartungen und Hoffnungen seines Teams und einer ganzen Stadt. In der abgelaufenen Saison erzielte er lediglich 885 Yards und sechs Touchdowns, pro Laufversuch konnte er nur noch 3.2 Yards erzielen und rutschte damit ans Ende der Nahrungskette aller Running Backs. Das er den hohen Erwartungshaltungen nicht gerecht werden konnte, lag allerdings nicht nur an ihm.

Todd Gurley hätte die unaufhaltsame Waffe der Rams werden können. Unterm Strich war er aber so gut wie nie gefährlich und bekam von seiner O-Line selten Räume, um sein Talent zu entfalten – falls sich mal Räume ergaben, zögerte er zu oft und verpasste die Lücken. Die Rushing Offense rutschte von einem starken 14. Platz (2015/16 DVOA) auf den letzten Platz ab (DVOA), was Ex-Coach Jeff Fisher letztendlich zum Verhängnis wurde.

Gurley konnte in der abgelaufenen Saison nur zwei mal mehr als 20+ Yards erlaufen, in der Vorsaison gelang ihm dieses Kunststück immerhin zwölf mal. Außerdem blieb er in 23 der vergangenen 24 Spiele unter 100 Yards!

Hinter seiner weiteren Entwicklung stehen einige Fragezeichen, eines davon ist Quarterback Jared Goff. Ohne einen funktionierenden Goff, kann Gurley nicht funktionieren – und ohne einen funktionierenden Gurley, wird auch Goff keine guten Leistungen abrufen. Die Rams sind also in einer undankbaren Situation gefangen. Ob Sean McVay als jüngster Headcoach der NFL-Geschichte diese Probleme lösen kann, wird äußerst interessant. Ich bin gespannt, wie sich die Rams gerade in der Offense in der nächsten Saison präsentieren, Entwicklungspotenzial ist definitiv vorhanden.

New York Jets: Die Jets liegen mir irgendwie am Herzen, ich habe immer einen Blick auf die Ergebnisse, Statistiken und Entwicklungen bei den Männern in Grün. Als im Sommer nach einem langen Hin und Her die Tinte unter Fitzpatrick’s Vertrag getrocknet war und auch Defensive End Muhammad Wilkerson gehalten werden konnte, stieg meine Vorfreude auf die Saison enorm. Als noch Running Back-Legende Matt Forte verpflichtet wurde, dachte ich mir: „Mit den Jets ist zu rechnen!“

Natürlich nicht als Super Bowl Contender, aber das Team sollte Spaß machen und die Leistungen aus der Vorsaison wiederholen können. Dass im Laufe der Saison alles schief laufen sollte, was überhaupt schief laufen kann und die Offense von einem guten 14. Platz (2015/16 DVOA) auf einen katastrophalen 31. Platz (2016/17 DVOA) abrutschen sollte, konnte man vor der Saison natürlich nicht wissen.

Ryan Fitzpatrick entpuppte sich als einer dieser Spieler, die im letzten Vertragsjahr bärenstarke Leistungen abliefern, auf den großen Zahltag warten und anschließend ihr wahres Gesicht zeigen – im Falle von Fitzpatrick, das eines absolut NFL-unwürdigen Quarterbacks! Die komplette Offense konnte nie ihr Potential ausschöpfen, auch weil sich Wide Receiver Eric Decker nach nur drei Saisonspielen verletzte. Der zweite Wide Receiver im Bunde – Brandon Marshall – konnte nach 1.502 Yards und 14 Touchdowns in der Vorsaison lediglich 788 Yards und 3 Touchdowns verbuchen. Alle schienen unter den schwachen Leistungen von Fitzpatrick zu leiden.

Hinzu kam, dass sich auf der Quarterback-Position ein munteres Stühlerücken entwickelte und Headcoach Todd Bowles nie wirklich einen Starter Fand. Geno Smith spielte zwischenzeitlich, verletzte sich aber schwer. Bryce Petty hatte ein paar gute Momente, verletzte sich aber auch und so stand am Ende immer wieder Fitzpatrick auf dem Feld.

Die Defense bewegte sich auf einem der hinteren Mittelfeldplätze (Platz 21, DVOA) und konnte das Versagen der Offense in keinster Weise abfedern. Was angesichts des schwachen Abschneidens (5-11) und der ungeklärten QB-Situation äußerst erschreckend ist, ist das Teamgehalt der Jets. Ob Tony Romo verpflichtet wird oder nicht, spielt zunächst keine Rolle – die Jets haben nach den Dallas Cowboys das zweitteuerste Team der Liga und besitzen deshalb kaum finanziellen Spielraum, um die Lücken im Kader zu schließen.

Nach einer hoffnungsvollen Saison 2015/16 sind die Weichen der Jets in Richtung Bedeutungslosigkeit gestellt, die Fans dürften wohl das tun, was sie seit jeher am besten können … Leidensbereitschaft zeigen, hart im Nehmen sein und das ganze mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor garnieren. Schade New York Jets, aber eure Leistung war für mich eine der größten Enttäuschungen der Saison!

Max – @mxsoar

Überraschungen

London Games: Eine wahre Überraschung dieses Jahr war auf jeden Fall die London Games. Für uns begeisterte ist es ein weiter weg in die USA und man fliegt mal nicht so schnell in das NFL-Mekka. Doch mit den London Games kommt die Profiliga immer näher – bald hoffentlich auch in Deutschland. Dieses Jahr wurden drei Spiele ausgetragen – ein weiteres noch in Mexiko. Auch wenn in London nur ein späterer Playoff Teilnehmer gastierte, die New York Giants, haben die europäischen NFL-Begeisterten richtig Bock auf die London Games.

Die NFL hat sich dazu entschieden im nächsten Jahr vier Spiele nach London zu bringen. Die Mannschaften stehen sogar schon fest (Ravens, Dolphins, Browns, Saints, Rams, Vikings, Cardinals, Jaguars) und die Kartenvorverkäufe sind im vollen Gange. Als deutscher Football-Fan hoffe ich darauf, dass die NFL schnellstmöglich nach Deutschland kommt. Mich freut es, dass der Sport American Football in Europa in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit in Europa bekommen hat und freue mich auf die nächsten NFL International Series.

Taylor Gabriel: Von einem 1-15 Team zu einem Super Bowl-Teilnehmer, denkt ihr das geht? Und wie das geht. Taylor Gabriel hat es gezeigt. Der Wide Receiver wurde noch vor der Regular Season von den Brown entlassen, da er in der Preseason nicht überzeugen konnte. Nur einen Tag später verpflichten ihn der spätere Super Bowl Teilnehmer – die Atlanta Falcons. Besser konnte es ihm garnicht ergehen. Der 25-jährige Receiver konnte in seiner 2016 Saison 35 mal den Ball fangen und 579 Yards (16.5 Yards pro Spielzug) erzielen. Dazu konnte er sechs Touchdowns erzielen. Im Super Bowl gegen die New England Patriots bekam er drei mal den Ball von Matt Ryan und erzielte im Schnitt 25.3 Yards. Eine wahnsinns Saison für den Mann aus Texas.

Enttäuschungen

Pro Bowl: Mich hat ein Freund, der auch seit ein paar Jahren Football interessiert ist gefragt, was die Spieler beim Pro Bowl alles so machen müssen. Das hat mir wieder einmal deutlich gemacht, wie wenig Aufmerksamkeit der Pro Bowl hat. Zwar bemüht sich die NFL, aber es interessiert einfach keinen. Auch die NFL Spieler begegnen dem Pro Bowl mit Desinteresse. Von 125 Einladungen der NFL hagelt es 33 Absagen. Ob der Pro Bowl in den nächsten Jahren an Interesse gewinnt? Ich bin mir nicht sicher. Das heißt: abwarten.

Cam Newton: Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass Cam Newton nächstes Jahr untergehen wird, dem hätte ich den Vogel gezeigt. Er und die Carolina Panthers waren diese Saison eine ganz klare Enttäuschung. Letzter Platz in der NFC South und Cam Newton war keine dieses Jahr keine „Scoring Machine“, wie die NFL Cam Newton in ihrer Werbung betitelte – diese Werbung zum NFL Game Pass lief auch noch beim Super Bowl! Schaut man sich die Statistiken an und vergleicht die letzten beiden Jahre so sieht man, dass er dieses Jahr fast die Hälfte weniger Touchdowns erzielt hat als letztes Jahr (2015: 35 TD; 2016: 19 TD).

Ich bin gespannt, ob er in der nächsten Saison wieder mit den Carolina Panthers angreifen kann. Eigentlich ist er eine „Scoring Machine“, doch diese Saison hat er das Gegenteil bewiesen.

Photo credit: Pexels.com // bearbeitet von The undrafted

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