NFC Divisional Round: Seattle @ Atlanta

Nach einem recht deutlichen 26:6-Sieg gegen Detroit konnten die Seattle Seahawks das Ticket für die Divisional Round der NFC sichern. Dort warten am Samstag um 22:35 Uhr (Pro7 MAXX) die Atlanta Falcons mit MVP-Kandidat Matt Ryan! Können die Seahawks den nächsten Schritt in Richtung Super Bowl 51 gehen oder ist im Georgia Dome Endstation für die Männer von Pete Carroll? Wir nehmen beide Teams genauer unter die Lupe.

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Atlanta Falcons

In meinem Umfeld wird oft und viel über die NFL geredet. Ein Satz den ich in dieser Saison immer wieder über die Atlanta Falcons hörte war: „They have the fucking best offense on the planet!“. Nicht Dallas, nicht New England und auch nicht Green Bay … nein die Atlanta Falcons um den 31-jährigen Quarterback Matt Ryan sind die wohl vielseitigste und gefährlichste Angriffsreihe dieser Saison!

Dafür sprechen nicht nur die 415.8 Yards pro Spiel (Platz 2), 4725 Total-Passing-Yards (Platz 3) und 1928 Total-Rushing-Yards (Platz 5), sondern auch 33.8 Punkte pro Spiel (Platz 1), 6.7 Yards pro Spielzug (Platz 1), 540 erzielte Punkte (Platz 1) und 58 Touchdowns (Platz 1). Außerdem konnten 13 verschiedene Spieler einen Pass von Matt Ryan zum Touchdown verwerten, was den Falcons einen NFL-Rekord bescherte. Hinzu kommt eine RedZone-Percentage von 61.9 %, was Platz 3 aller Playoff-Teams bedeutet – nicht umsonst trägt Matt Ryan den Spitznamen Matty Ice.

Dank der hervorragenden Arbeit von Offense-Coordinator Kyle Shanahan haben sich die Atlanta Falcons in dieser Saison zu einer schier unaufhaltsamen Angriffsmaschinerie entwickelt, die in der Regular Season mit einer Bilanz von 11-5 die NFC Soutch souverän gewinnen konnte. Einziger Haken: gegen die Seattle Seahawks setzte es eine knappe und hart umkämpfte 24:26-Niederlage in Week 6.

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Die Stärke der Falcons liegt ganz eindeutig in ihrer Offense. Kaum ein Team präsentiert sich so unberechenbar und vielseitig im Angriff. Die Spielanteile von Wide Receiver Julio Jones haben sich im Vergleich zur Vorsaison reduziert (2015: 204 Passversuche / 2016: 129 Passversuche), davon profitierten seine Kollegen Mohamed Sanu und Taylor Gabriel aber deutlich. Auch das Laufspiel um Devonta Freeman und Tevin Coleman konnte sich von Platz 18 (2015) auf Platz 5 (2016) verbessern. Gleichzeitig dienen die Running Backs häufig als Receiver, was die gegnerischen Verteidigungsreihen vor enorme Probleme stellt und den Falcons einige Optionen eröffnet. So können sie zum Beispiel ihre 3rd Downs mit 42.13 % verwerten (Platz 10).

Matt Ryan konnte in dieser Saison für 4.944 Yards und 38 Touchdowns werfen. Dank seiner Fähigkeit auch lange Pässe äußerst präzise an den Mann zu bringen (11 TD, 0 INT bei Pässen länger als 20 YDS), eröffneten sich den Falcons ganz neue Möglichkeiten. Die gegnerischen Abwehrreihen müssen oft das tiefe Feld decken, wodurch sich für kurze Routen mehr Raum ergibt. Auf die Defense der Seattle Seahawks wartet also die wohl größte Herausforderung, seit es die Legion of Boom gibt … seit einigen Wochen bekanntlich ohne Safety Earl Thomas.

Ein weiterer Satz den ich bei den Atlanta Falcons auch immer wieder hörte, war dieser: „But their defense sucks!“. Und so hart sich diese Kritik anhört, so wahr ist sie. Die Atlanta Falcons sind eines der besten Beispiele für die Asymetrie, mit der die Franchises ihre Kader zusammenstellen – vorne Top, hinten Flop.

Die Defense belegt mit 371.2 Yards pro Spiel nur den 25. Platz, die Laufverteidigung befindet sich auf Platz 17 (104.5 YPG) und die Passverteidigung steht sogar nur auf Platz 28 (267 YPG). Das Motto der Falcons lässt sich ganz einfach zusammenfassen. Wenn man mehr Punkte als der Gegner erzielt, hat man gewonnen – was auch die 25.4 Punkte pro Spiel belegen, die sie gegnerischen Teams erlauben (Platz 27). Man erlaubte den gegnerischen Teams also immer wieder, lange im Spiel zu bleiben. Das könnte sich gerade gegen Seattle als hinderlich erweisen, denn diee Seahawks sind ein Team, dass weis wo es hin will und das sich auch bei knappen Rückständen nie aufgibt.

Worauf die Defense sich aber verlassen kann, ist NFL-Sack-Leader Vic Beasley Jr. (15.5 Sacks). Mit ihm wird die O-Line der Seattle Seahawks enorme Probleme bekommen und den ein oder anderen Sack zulassen, denn mit 2.6 erlaubten Sacks pro Spiel belegen die Seahawks nur einen mageren 27. Platz.

Atlanta wird sich in der Offense auf die gewohnte Vielseitigkeit verlassen und der ersatzgeschwächten Sahawks-Defense das Leben schwer machen. Ob es am Ende zum Sieg reicht, hängt stark davon ab, ob man das wieder erstarkte Laufspiel der Seahawks und vor allem Russell Wilson stoppen kann. Auch für die beste Offense des Planetens ist dieses Spiel kein Selbstläufer – Seattle konnte das schon in Week 6 beweisen.


Seattle Seahawks

Vom WildCard-Game gegen die Detroit Lions haben wir uns ein paar Antworten erhofft, nach dem 26:6-Sieg stellen sich uns aber noch mehr Fragen.  Ist Russell Wilson nach seiner ansprechenden Leistung (23/30, 224 YDS, 2 TD) wieder der alte? Kann Thomas Rawls (27 CAR, 161 YDS, 6.0 AVG) das Laufspiel wieder zur gefürchteten Waffe der Seahawks machen? Und kann die Passing-Defense auch ohne Earl Thomas dominieren? Gegen die Atlanta Falcons könnten genau diese Faktoren über Sieg oder Niederlage entscheiden.

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Fangen wir bei Russell Wilson an. Gegen die schwache Passing Defense der Lions hatte der Quarterback kaum Probleme den Ball an die Receiver zu bringen und auch 3rd Downs effizient zu verwerten (9-16, 56.25 %) – die extrem gute Passquote von 76.7 % spricht Bände. Obwohl er von seiner O-Line das ein oder andere Mal im Stich gelassen wurde und drei Sacks einstecken musste, wirkte er vielen Situationen so souverän und beweglich wie eh und je. Von den Verletzungen, die ihn in der Regular Season plagten, war also nichts zu sehen! Falls er diese Leistung gegen Atlanta wiederholen kann, darf sich die Passing Defense der Falcons warm anziehen. Mit 267 Yards pro Spiel zeigen die Falcons hier einige Schwächen und belegen lediglich den 28. Platz.

Mann des Abends war trotzdem ein anderer Spieler der Seahawks. Thomas Rawls! Mit unfassbaren 6.0 Yards pro Rush konnte er seinen Saisondurchschnitt (3.2 YDS/Rush) beinahe verdoppeln und wurde so zum Matchwinner für Seattle. Die Rushing Offense der Seahawks belegte im Jahr 2015 noch einen sehr guten dritten Platz (141.8 YDS/G), in diesem Jahr sind sie jedoch bis auf Rang 25 (99.4 YDS/G) abgerutscht und fanden nie zu alter Stärke zurück – bis zur Wild Card Round! Mit 177 Rushing Yards war das Laufspiel der Seahawks stets gefährlich, Rawls fand immer wieder Räume und Lücken für einige Yards Raumgewinn, auch nach Tackles und Kontakt mit Gegenspielern.
Die Rushing Defense der Atlanta Falcons belegt mit 4.5 Yards pro Rush und 104.5 Yards per Game einen Platz im Mittelfeld, hier könnte eine Möglichkeit für Seattle liegen. Um die Seahawks zu stoppen, dürften die Falcons auf jeden Fall noch einige Stunden im Videoraum verbringen. Falls sich Rawls jedoch wieder als „Beast Mode Jr.“ präsentiert, stehen die Chancen auf einen Sieg der Seahawks gar nicht so schlecht.

Worauf es gegen die Falcons aber wirklich ankommt, wissen wir alle: die Passing Defense! Und hier kann man die Seahawks auch nach dem Sieg gegen die Lions noch nicht so richtig einschätzen. Zwar konnte Lions-Quarterback Matthew Stafford nur 18 seiner 32 Pässe für 205 Yards an den Mann bringen und man hatte das Gefühl, dass die Lions noch drei Tage hätten weiterspielen können, ohne einen Touchdown zu erzielen. Aber Stafford spielte schon seit einigen Wochen mit einer Verletzung an seiner Wurfhand, die ihn deutlich beeinflusste – und das nicht gerade positiv. Mitt Matt Ryan und der drittbesten Passing Offense der Liga, wartet in der Divisional Round ein ganz anderes Kaliber auf die Defense der Seahawks. Vor allem in der RedZone sind die Falcons brandgefährlich, immerhin können sie 61.9 % ihrer RedZone-Drives erfolgreich mit einem Touchdown abschließen (Platz 3 aller Playoff-Teams).

Die Top-Receiver der Lions – Marvin Jones (81 YDS), Zach Zenner (54 YDS) und Golden Tate (25 YDS) – hatten es gegen Sherman (5 Tackles), Chancellor (7 Tackles) und Terrell (3 Tackles) äußerst schwer, sich überhaupt frei zu laufen. Atlanta besitzt mit Julio Jones, Taylor Gabriel und Mohamed Sanu aber eines der gefährlichsten und vielseitigsten Receiver-Trios der Liga, die Seahawks müssen also einen Sahnetag erwischen, um den Ausfall von Thomas erneut zu kompensieren. Ob ihnen das gelingt und sie ins Championship Game der NFC einziehen können? In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden wir es herausfinden!

Nicolas

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