NBA Christmas Day Preview

Die Christmas Day Games der NBA sind ein ganz besonderer Termin im Basketballjahr, denn für viele Fans sind sie der traditionelle Beginn der heißen Saisonphase. Etwa ein Drittel der Regular Season ist gespielt, die Favoriten sind längst bekannt und die Teams im Mittelfeld kämpfen um ihr Playoff-Ticket.

nba_christmasWer bis zum 25. Dezember noch nicht in Form ist, der wird es im weiteren Saisonverlauf extrem schwer haben. Bei vielen General Managern rauchen deshalb die Köpfe – sollen sie ihr Team bis zur Trading Deadline am 23. Februar völlig auf den Kopf stellen, oder schlechte Ergebnisse akzeptieren und einen hohen Draftpick anvisieren?

Am Christmas Day, in den USA ist das der 25. Dezember, werden immer wieder brisante Partien zwischen ewigen Rivalen oder ehemaligen Finalgegnern ausgetragen. Wir wollen euch die diesjährigen Spiele vorstellen und eine Einschätzung vornehmen.

18.oo Uhr, Boston Celtics (17-13) @ New York Knicks (16-13)

Die Dauerrivalen aus Boston und New York machen um 18 Uhr den Anfang, man darf sich auf einen harten Kampf gefasst machen. Die Boston Celtics sind zu Saisonbeginn immer wieder durch kleinere Verletzungen zurückgeworfen worden, weshalb sie momentan auch ein Stück weit hinter den eigenen Erwartungen liegen. Aus den vergangenen fünf Spielen gab es allerdings vier Siege, die Formkurve zeigt also nach oben.

Eine Schwachstelle der Celtics sind nach wie vor die Rebounds, dort stehen sie lediglich auf Platz 27, mit den New York Knicks (Platz 5) wartet hier ein harter Gegner – gerade unter den Körben!

Die Knicks stehen in der Eastern Conference nur knapp hinter den Kobolden, der Eindruck täuscht jedoch ein wenig. Die Knicks sind trotz Spielern wie Rose, Anthony oder Porzingis definitiv (noch) kein Superteam. Das Defense-Rating von 108.1 reicht lediglich für Platz 26 (Boston Platz 13), in der Franchise herrscht Unruhe. Seit Mitte November ist deshalb der ehemalige Assistant-Coach Kurt Rambis als Defense-Coach unter Vertrag. Während der Saison bleibt aber sehr wenig Zeit um an diesen Baustellen zu arbeiten, die Knicks werden im Defense-Rating wohl weiterhin im hinteren Drittel bleiben.

Die Entwicklung der beiden Teams ist erfreulich, die Celtics sind trotzdem eine Stufe weiter und gefestigter. Das erste Aufeinandertreffen konnten die Celtics deutlich mit 115:87 für sich entscheiden. Seitdem haben sich die Puzzelstücke bei den Knicks aber immer besser zusammengesetzt, eine klare Favoritenrolle lässt sich deshalb nicht verteilen.

20.30 Uhr, Golden State Warriors (27-4) @ Cleveland Cavaliers (22-6)

Um halb 9 deutscher Zeit wartet schon das Highlight des Abends auf uns – das erste Rematch der NBA Finals 2016! Nach der Verpflichtung von Kevin Durant war die Basketballwelt geschockt, so ein Superteam hatte die NBA noch nicht gesehen. Als amtierender Champion können die Cavaliers trotzdem mit breiter Brust auftreten.

Die Warriors führen die Liga bei Punkten, Assists, Blocks, Steals und der Trefferquote an und man hat das Gefühl, dass dieses Team noch nicht einmal richtig eingespielt ist. Die meisten ihrer Siege waren absolute Blow-outs, die Superstars wurden oft schon nach dem dritten Viertel geschont. Die Meisterschaft wird wohl nur über die Warriors gehen!

Die Cavs um LeBron James und Kyrie Irving finden sich in vielen Statistiken im oberen Mittelfeld, das Team kann von allem etwas. Überraschend ist jedoch, dass die Cavaliers die beste 3er-Quote der Liga aufweisen! Das Team aus Cleveland hat in der Eastern Conference  keine Konkurrenz zu befürchten, weshalb sie auch noch nicht mit den vollen 110 % Einsatz spielen. Gerade in den Playoffs dürften sie ihr wahres Gesicht zeigen und deutlich gefährlicher auftreten.

Bei den Cavaliers wird es interessant zu sehen, ob sie den Ausfall von J.R. Smith (gebrochener Daumen) kompensieren können, war er doch in den vergangenen Jahren der X-Faktor im Spiel der Cavs. Die Favoritenrolle liegt also bei den Warriors, LeBron James dürfte aber etwas dagegen haben!

22.00 Uhr, Chicago Bulls (14-15) @ San Antonio Spurs (24-6)

Die Offseason der Chicago Bulls war eine Katastrophe, so die vorherrschende Meinung. Der Saisonstart verlief trotzdem besser als von vielen erwartet, mittlerweile haben die Männer aus Chicago ihren Platz in der NBA gefunden – der Kampf um die hinteren Playoff-Plätze.

Die Bulls kommen nach wie vor über den „Hustle“ ins Spiel, sie greifen sich die meisten Rebounds der NBA, blocken 5.4 Würfe pro Spiel (Platz 10) und belegen Platz 3 bei den Contested 2-Point Shots (46.6 %). In der Offense zeigen sich hingegen eklatante Schwächen, eine Handschrift von Fred Hoiberg ist auch in seiner zweiten Saison nicht erkenntlich. Eigentlich will Hoiberg mit intelligentem Spacing das Feld breit machen und die Dreierschützen Mirotic, Butler oder McDermott einsetzen. Blöd nur, wenn man mit einer Trefferqute von 30.8 % jenseits der 7,24 Meter das schlechteste Team der Liga ist.

In San Antonio läuft hingegen (fast) alles wie immer. Sie gewinnen Spiel für Spiel, kaum jemand nimmt davon Notiz und am Ende gehen sie als Geheimfavorit in die Playoffs. Der einzige Unterschied zu den letzten Jahren ist die Heimbilanz. In diesem Jahr setzte es vier der sechs Niederlagen zuhause (2015/15 1 Heimniederlage), Neuland für die Fans der Spurs.

Die Spurs stellen die viertbeste Defense der Liga, Kawhi Leonard spielt sich mit seinen unfassbaren Leistungen in jede MVP-Diskussion und die Bulls schwächeln in den verganenen Spielen (1-6), ist der Überraschungseffekt vom Saisonbeginn also schon vergangen? Für die Männer von Coach Gregg Popovic bietet sich also die Chance, ihre Heimbilanz zu verbessern, San Antonio ist Favorit.

2.00 Uhr, Minnesota Timberwolves (9-20) @ Oklahoma City Thunder (18-12)

Spät in der Nacht heißt es wohl „Triple-Double-Alert“, wenn die personifizierte Abrissbirne namens Russell Westbrook das Parkett betritt. Der 28-Jährige trägt die Last einer ganzen Franchise auf seinen Schultern, nichts geht ohne ihn. Nach dem Abgang von Kevin Durant spielt Westbrook mit einer unfassbaren Mischung aus Wut und Wahnsinn, was sich an 14 (!) Triple Doubles in der laufenden Saison zeigt.

Zu den unmenschlichen Leistungen des Point Guards kommt gutes Rebounding (Platz 3) und eine potente Offense (Platz 10 Points per Game) – neben Westbrook erzielen drei weitere Spieler mindestens 11.7 Punkte pro Spiel. Was den Thunder aber fehlt ist ein ausgeglichenes Ballmovement, Westbrook ist einfach zu balldominant. 21.7 Assists pro Spiel reichen gerade für Platz 19, lediglich 54.3 % der Punkte werden durch ein Assist vorbereitet (Platz 25). Die Assists-Turnover-Rate ist mit 1.41 katastrophal (Platz 25) und mit 15.4 Turnovers belegen sie Platz 23. Das Team steht und fällt mit den Leistungen des Point Guards, falls sie es in die Playoffs schaffen, dürfte dort sehr früh Endstation sein.

Bei den Timberwolves ergibt sich ein ganz anderes Bild. Das Team platzt vor jungen Talenten, die nur darauf warten im Team erfolgreich zu sein. Doch allzu oft sind Towns, Wiggins und Co. zu grün hinter den Ohren, viele knappe Spiele werden verloren. Außerdem fehlt ihnen noch die defensive DNA, die ihnen Coach Tim Thibodeau eigentlich verleihen sollte. Diese Saison dürfte wohl noch unter dem Motto „learning by doing“ laufen, im nächsten Jahr sind Ergebnisse fällig.

Das Duell der beiden Teams kann sich in beide Richtungen entwickeln, den Timberwolves fehlt jedoch ein überragender Verteidiger um Westbrook zu bändigen. Die Thunder sind deshalb leicht im Vorteil.

4.30 Uhr, Los Angeles Clippers (22-9) @ Los Angeles Lakers (11-22)

Nach der Abschieds-Saison von NBA-Legende Kobe Bryant stehen die Zeichen bei den Lakers auf Neuanfang. Mit einem jungen, talentierten Team soll die Zukunft wieder in „purple and gold“ erstrahlen.

Der Saisonverlauf der Lakers hatte bisher Höhen und Tiefen, sie schnupperten zu Saisonbeginn bereits an den Playoff-Plätzen, in den vergangenen 12 Spielen konnten sie aber nur einen einzigen Sieg verbuchen. Viele knappe Niederlagen wechselten sich mit richtigen Klatschen ab … dem Team fehlt noch die Konstanz. Ein anderer Schwachpunkt ist das Ballmovement, das Team steht auf Platz 22 der Assist-Statistik und nur 53.9 % der Punkte geht eine Vorlage voraus (Platz 27). Auf der anderen Seite stellen die Lakers die gefährlichste Bank der Liga (50.7 PPG, Platz 1), jeden Abend laufen andere spieler zu Höchstform auf. Leider konnten sie diese Stärke noch zu selten gewinnbringend einsetzen.

Die Clippers hingegen sind seit einigen Jahren aus dem Schatten der Lakers getreten und präsentieren Los Angeles seitdem in den Playoffs. In dieser Saison scheint es bei den Männern von Coach Doc Rivers besonders gut zu laufen. Rang 5 bei den erzielten Punkten pro Spiel, Rang 9 bei den Assists pro Spiel und Rang 7 bei den erlaubten Punkten pro Spiel – ein äußerst ausgeglichenes Team.

„Lob City“ gehört offensichtlich der Vergangenheit an, da das Team mittlerweile seriösen Basketball spielt und endlich den ganz großen Erfolg erzielen will. Alles überragender Mann der Clips ist natürlich Chris Paul – mit 20 Punkten, 20 Assists und keinem Turnover beim Spiel gegen die Pelicans zeigte er, dass er nach wie vor der beste Passgeber der Liga ist. Auch Blake Griffin mutiert vom Dunker zum Schützen und erweitert sein Spiel deshalb fast bis an die Dreierlinie, ein gefährlicher Dreierschütze ist er leider noch nicht. Auf Grund einer Knie-Operation wird er den Clippers aber für die nächsten 4-6 Wochen fehlen, ein schmerzlicher Verlust.

Die Clippers sind trotz der Verletzung klarer Favorit, die Lakers durchleben eine schwere Zeit und können selbst knappe Spiele nicht für sich entscheiden. Vielleicht gibt es ja trotzdem ein Weihnachtswunder in Lila und Gold.

Nicolas

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