Fünf Thesen zur NBA Saison 2016/17

Anfang Dezember geht die NBA-Saison traditionell in die heiße Phase über, manche Teams starten einen längeren Auswärts-Tripp, andere tüfteln noch an der besten Starting Five oder warten auf den richtigen Trade-Partner. Für uns der perfekte Zeitpunkt, um fünf Thesen zur Saison 2016/17 aufzustellen.

5players

Es gibt kein Superteam … noch nicht!

Die beste Saison aller Zeiten (73-9) und die Verpflichtung von Kevin Durant machten im Sommer aus den Golden State Warriors den Todesstern der NBA, so die vorherrschende Meinung. Was dabei jedoch oft vergessen wurde, sind die Abgänge, die die Franchise aus Oakland zu verkraften hatte. Mit Andrew Bogut (Center), Harrison Barnes (SF) und Mo Speights (PF/Center) verließen drei wichtige Stützen der letzten Jahre das Team. Mit David West (PF) und Zaza Pachulia (C) versucht man nun, diese Lücken zu füllen.

Zu Beginn der Saison fehlte an der ein oder anderen Stelle noch die Abstimmung, was sich auch an zwei Niederlagen in den ersten sechs Spielen bemerkbar machte. Seitdem halten sie ihre Weste aber sauber und stehen mit einer Bilanz von 16-2 an der Spitze der Western Conference. Ein erstes Ausrufezeichen setzten die Männer aus der Bay Area beim 149:106 gegen die völlig überforderten Los Angeles Lakers. In anderen Spielen sind die Ergebnisse jedoch knapper, zum Beispiel gegen Milwaukee (124:121), Atlanta (105:100) oder Toronto (127:121) – die Dominanz der Warriors ist also noch nicht erdrückend!

Nach bisher 18 Saisonspielen, kann man aber sagen, dass die Rädchen langsam ineinander greifen und sich der Todesstern vervollständigt. Im Angriff begeistert Golden State mit 117.6 Punkte pro Spiel (Rang 1), 31.1 Assists pro Spiel (Rang 1, 6,7 Assists mehr als die Celtics auf Rang 2!) oder einer Trefferquote von 50.2 Prozent (Rang 1)! Doch auch am anderen Ende des Feldes wissen die Warriors zu überzeugen, was ihnen gerade in engen Spielen oder im Hinblick auf die Playoffs ordentlich Selbstvertrauen gibt. 6.6 Blocks pro Spiel (Rang 1), 9.4 Steals pro Spiel (Rang 3) und 18.9 Deflections pro Spiel (Rang 1) sprechen eine deutliche Sprache.

Die Golden State Warriors sind auf dem besten Weg, die NBA in allen Facetten des Spiels zu dominieren. Momentan gibt es höchstens zwei oder drei Mannschaften, die ihnen in einer Serie von sieben Spielen gefährlich werden können, doch vielleicht liegt gerade hier ihre Anfälligkeit. Der Todesstern war fast fertig, hatte aber eine kleine Schwachstelle, der ihm zum Verhängnis wurde – vielleicht findet ein Team den winzig kleinen Fehler im System der Warriors und nutzt ihn eiskalt aus. Wir dürfen gespannt sein!

James Harden wird niemals MVP!

Okay, James Harden spielt bisher wirklich weltklasse … in der Offense! Aber muss man das überhaupt noch erwähnen?
Seine 28.7 Punkte sind stark wie immer, hinzu kommen 11.9 Vorlagen pro Spiel, immerhin 4.4 mehr als vergangene Saison. Unter dem neuen Headcoach Mike D’Antoni ist Harden quasi zur alleinigen Angriffsabteilung der Rockets mutiert. Er ist an unfassbaren 58.4 Punkten seines Teams beteiligt, besser als jeder andere Spieler der Liga! Bei 109.8 Punkten pro Spiel (Rang 3) ist Harden also an über 50 Prozent aller Punkte der Rockets beteiligt.

In der Defense hingegen ist James Harden nach wie vor ein Fremdkörper, er hat dort einfach nichts verloren. Während manche Spieler ihren Schuh verlieren und trotzdem noch zum Block ansetzten, bleibt Harden lieber am Mittelkreis und schnürt sich die Schuhe, manchmal bleibt er wie ein Fußballspieler stehen, der auf Abseits spekuliert – inklusive wehleidigem Blick Richtung Schiedsrichter oder Mitspieler.

Um ernsthaft in den MVP-Gesprächen erwähnt zu werden, muss er in der Verteidigung einfach mehr Kampfgeist zeigen und darf seine Mitspieler nicht so oft im Stich lassen. Natürlich erwartet man keine coast-to-coast-Blocks wie von LeBron James oder die Lockdown-Defense eines Mike Conley aber Defense ist und bleibt eine Sache der Einstellung. Und hier hat James Harden noch jede Menge Nachholbedarf.

Die Timberwolves verpassen die Playoffs!

Seit 2004/05 müssen die Fans aus Minneapolis schon auf eine Playoff-Teilnahme ihres Teams warten. Vor dieser Saison waren die Erwartungen so hoch wie nie, bei den momentanen Ergebnissen ihres Teams müssen sich die Anhänger der Wolves aber wohl noch mindestens ein weiteres Jahr gedulden.

Aber ist das so schlimm? Eigentlich nicht, denn die Timberwolves gehören zu den fünf talentiertesten und erwartungsvollsten Teams der gesamten NBA! Mit Karl-Anthony Towns (21), Zach LaVine (21), Andrew Wiggins (21) oder Kris Dunn (22) steht so unfassbar viel Talent in den Reihen der Wolves, dass man sich die Entwicklung – mit all ihren negativen Erscheinungen – doch sehr gerne anschaut.

Momentan besitzen die Timberwolves ein Net-Rating von -1.0, sie kassieren also nur einen Punkt mehr, als sie selbst erzielen. Im Vergleich sind sie damit auf Platz 16 aller NBA-Teams. Mit Tim Thibodeau besitzen sie einen exzellenten Headcoach, der als Defense-Fanatiker bekannt ist und dem jungen Team eine unverwechselbare DNA verpassen kann. Gepaart mit der unfassbaren Athletik und dem Talent im Angriff, entsteht hier ein Team, dass in zwei oder drei Jahren vielleicht sogar bis in die Conference Finals einziehen könnte.

Bis dahin gilt es allerdings noch einige Schwächen abzustellen. Nur zwei Teams holen weniger Rebounds, mit 14.9 Turnovers pro Spiel belegen die Wolves nur Platz 21 und lediglich 60.9 Contested Shots (Rang 22) zeigen, dass man noch an einigen Stellschrauben drehen muss. Auch von Andrew Wiggins, Rookie of the Year 2015, darf man im weiteren Saisonverlauf mehr als nur Scoring erwarten. 22.9 Punkte sind zwar aller Ehren Wert, angesichts seiner Athletik sind 3.9 Rebounds und 0.5 Blocks pro Spiel aber deutlich zu wenig.

Mit 5 Siegen und 12 Niederlagen sind die Playoffs im Westen wohl außer Reichweite, das Team hat aber zumindest in diesem Jahr noch keinen Druck. Ab der kommenden Saison müssen dann aber Ergebnisse geliefert werden.

DeMarcus Cousins und Sacramento gehen getrennte Wege!

Seit der Draft 2010 spielt DeMarcus Cousins für die Chaos-Franchise aus Sacramento. Mindestens genauso lange wartet man darauf, dass das Management der Kings den Schalter umlegt und ihrem Superstar ein fähiges Team zur Seite stellt. Nach unzähligen Versuchen, dürfte dieses Experiment aber spätestens zur Saison 2016/17 gescheitert sein!

Aaron Afflalo, Rudy Gay, Ty Lawson oder Darren Collison – auf dem Papier stehen durchaus brauchbare NBA-Spieler aber längst keine Co-Superstars an Cousins‘ Seite. An der Seitenlinie ist Dave Joerger bereits der sechste Headcoach seit 2009, Konstanz ist also nicht gerade die Stärke der Sacramento Kings. Oft wurde der schwierige Charakter von Cousins für das Chaos in der Franchise verantwortlich gemacht, damit erzählt man aber nur die halbe Wahrheit. Mit 26 Jahren hat „Boogie“ Cousins verstanden, worauf es ankommt. Er nimmt zwar kein Blatt vor den Mund aber er bringt immer seine Leistung!

Das eigentliche Problem der Kings ist das Management um Besitzer Vivek Ranadive und General Manager Vlade Divac. Hier fehlt ganz einfach der sportliche Sachverstand, was sich zum Beispiel während der NBA Draft 2015 zeigte, als man mit dem 6. Pick Center Willie Cauley-Stein verpflichtete. Ein Spieler der von seinen Fähigkeiten nicht wirklich ins Roster der Kings passt. Im selben Jahr wurde mit Kosta Koufus ein weiterer Center verpflichtet, der stolze 7,7 Millionen US-Dollar pro Jahr verdient.

Im Sommer 2018 wird DeMarcus Cousins endlich Free Agent, mit 28 Jahren befindet er sich dann in der besten Zeit seiner Karriere. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird er einen Neuanfang starten und sich seinen neuen Arbeitgeber selbst aussuchen. Falls die Kings für ihren Superstar noch einen Gegenwert erhalten wollen, müssten sie ihn wohl noch in dieser Saison traden – die halbe NBA steht Schlange!

Die Lakers sind wieder da!

Während die vergangene Saison eigentlich nur als große Abschieds-Tour für NBA-Legende Kobe Bryant diente, steht diese Spielzeit ganz im Zeichen des Aufbruchs. Das die stolze Franchise aus Los Angeles nach 19 Spielen fast die Hälfte davon gewonnen hat, ist für viele Fans und Experten eine kleine Überraschung.

Mit 107.2 Punkten pro Spiel belegen die Männer in „purple and gold“ den siebten Platz aller NBA-Teams. Ein Großteil davon entfällt auf die Bankspieler der Lakers, die mit 52.4 Punkten sogar 9.2 Punkte mehr als die 76ers auf Rang 2 erzielen. Für Spektakel im Staples Center ist also wieder gesorgt, auch ohne Dauerbrenner Bryant.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung der jungen Spieler, allen voran von Point Guard D’Angelo Russell. In der laufenden Saison konnte er seine Punkteausbeute (16.1 PPG, + 2.9), die Assists (4.8 APG, + 1.5) und auch die Trefferquote deutlich verbessern, auch sein Net-Rating ist von -13 auf -3 gesunken.

Mit Julius Randle (PF), Jordan Clarkson (PG) und Lou Williams (SG) stehen weitere Spieler im Kader, die in der Offense selbst gefährlich sind oder ihre Mitspieler einsetzen können. Die Assist-Zahlen von Randle (3.8 APG), Clarkson (2.3 APG) und Williams (3.4 APG) belegen, dass der Ball bei den Lakers nicht mehr bei einem Spieler klebt, sondern das dort Team-Basketball gespielt wird (22.1 APG, Rang 14). Aufgrund von Verletzungen muss das Team momentan jedoch auf Russel und Randle verzichten.

An 110.6 erlaubten Punkten pro Spiel (Rang 27) zeigt sich allerdings die Schwäche der Lakers. Am eigenen Ende des Feldes holen sie lediglich 33.1 Rebounds (Rang 21), 3.7 Blocks pro Spiel sind der schlechteste Wert der Liga. Nur 40.5 Contested 2 Point Shots pro Spiel (Rang 19) und 14.6 erlaubte Second Chance Points (Rang 24) zeigen, dass die Männer aus Hollywood ihre Gegenspieler zu leicht punkten lassen. Auch bei Turnovers zeigen sich die Lakers äußerst anfällig. Aus 15.5 Turnovers pro Spiel (Rang 23) kassieren sie im Gegenzug 18.2 Punkte (Rang 27).

Sollte Headcoach Luke Walton in seinem ersten Jahr bei den Lakers gerade in der Defense Fortschritte erzielen können, steht dem Team eine erfolgreiche Zukunft bevor. Die Offense macht Spaß und die jungen Spieler entwickeln sich individuell und als Einheit weiter. Die Lakers-Fans warten zwar noch auf die Ankunft eines großen Free Agents, die Franchise befindet sich aber wieder auf dem Weg nach oben!

Nicolas

Alle Statistiken Stand 30.11.2016

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