The Undrafted Issues – NBA: Vorbildfunktion erfüllt!

Mit Barack Obama verlässt am 20. Januar der erste afroamerikanische Präsident das Oval Office. Zu Beginn seiner Amtszeit musste ein Tennisplatz auf dem Gelände des Weißen Hauses für einen Basketballcourt weichen. Der Freiplatz an der 1600 Pennsylvania Avenue wird zwar nicht wie der Rucker Park in New York City zum Mekka der Basketball-Gemeinde werden, diese Anekdote gibt aber einen tiefen Einblick in die Verbindung von Basketball und afroamerikanischer Kultur. Für uns stellt sich auch deshalb die Frage, wie die größte Basketballliga der Welt mit den Themen Rassismus und Unterdrückung von Minderheiten umgeht? Ein Blick hinter die Kulissen.

issues_neu

Um uns einen Überblick zu verschaffen, betrachten wir zu Beginn die ethnische Zusammensetzung der National Basketball Association. In der Saison 2015/16 stellten Schwarze mit 74,3 Prozent nach wie vor den größten Anteil der Spieler. Dazu zählen natürlich nicht nur gebürtige Amerikaner, sondern auch Spieler wie Emmanuel Mudiay (Kongo), Roy Hibbert (Jamaika) oder Al Horford (Costa Rica), weshalb der Begriff Afroamerikaner nicht ganz richtig wäre. Weiße Spieler stellten mit 18,3 % die zweitgrößte Gruppe, die restlichen 7,4 % der Spieler waren überwiegend Latinos und Asiaten. Basketball ist ein äußerst internationaler Sport, was sich auch daran zeigt, dass im vergangenen Jahr mit 22,3 % ein Höchstwert an Spielern erreicht wurde, die nicht in den USA geboren wurden.

“There is no color in basketball and that’s the beauty of it.” – Ryan Anderson

Nicht nur in dieser Statistik wird die Liga von Schwarzen dominiert, auch beim Blick auf die Superstars und die Titelträger der vergangenen Jahre. Der letzte „weiße“ Superstar, der mit seinem Team einen Titel gewinnen konnte, war wohl Dirk Nowitzki in der Saison 2010/11. Die Cavaliers hatten im vergangenen Jahr zwar Kevin Love als Starter auf dem Feld stehen, den Bärenanteil an der Meisterschaft trugen aber eindeutig LeBron James und Kyrie Irving.

Man könnte also meinen, die Liga lebt von schwarzen Athleten und Superstars. Das sich das leider noch nicht bei allen Verantwortlichen herumgesprochen hat, zeigte sich zum Beispiel im April 2014, als Donald Sterling – damals Besitzer der Los Angeles Clippers  – seine Freundin am Telefon dazu aufforderte, sich nicht öffentlich mit Schwarzen zu präsentieren. Nicht seine erste offen rassistische Bemerkung.

Seit Adam Silver im Februar 2014 den Posten des NBA Commissioner übernommen hat, konnte die Liga aber einige Fortschritte erzielen und setzt sich verstärkt für soziale Projekte ein. Auch die Spieler trauen sich immer öfter, das Wort zu ergreifen und auf Missstände aufmerksam zu machen. Hervorzuheben sind vor allem die Superstars LeBron James, Chris Paul, Carmelo Anthony und Dwayne Wade. Bei einer Ehrung hielten sie eine beeindruckende Rede mit dem Titel „Take A Stand As Athletes“, in der sie auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machten und jeden Profisportler dazu aufforderten, seine Position zu nutzen, um seine Meinung zu äußern.

Let’s use this moment as a call to action for all professional athletes to educate ourselves. Speak up. Use our influence. And renounce all violence. We all have to do better.” – LeBron James

Als im Juli 2016 auch noch der beste Basketballes aller Zeiten sein Schweigen brach und sich aus aktuellem Anlass zu Rassismus und Polizeigewalt äußerte, bekam man langsam das Gefühl, die NBA ist in ihrer Rolle als Vorbild angekommen.

“As a proud American, a father who lost his own dad in a senseless act of violence, and a black man, I have been deeply troubled by the deaths of African-Americans at the hands of law enforcement and angered by the cowardly and hateful targeting and killing of police officers.” – Michael Jordan

Während seiner aktiven Spielerkarriere hätte er so ein Statement wohl niemals von sich gegeben, die Zeiten waren einfach anders. Und auch Republikaner kaufen Sneaker, wie er 1995 anmerkte. Er wollte damals keine Stellung beziehen, um den Verkauf seiner Basketballschuhe nicht zu schädigen. Darüber darf sich wohl jeder selbst seine Meinung bilden.

Die heutige Spielergeneration hat erkannt, dass Schweigen oder stiller Protest keine Lösung sind mehr sind, es braucht Aktionen. Im Jahr 2016 bemüht sich die NBA auch abseits des Rampenlichts um ein besseres Miteinander der Gesellschaft, der Communities und der Beziehung zwischen Schwarzen und der Polizei, denn nach wie vor werden Afroamerikaner systematisch diskriminiert. Die Teams laden Jugendliche und Polizisten zu Basketballturnieren ein, um Brücken zu bauen. Die Spieler halten Vorträge und erzählen von ihren eigenen Erlebnissen, um die Jugendlichen vor Fehlern zu bewahren.

“There is a lot of work to be done, but it starts with us.” – Jabari Parker

Anders als die NFL akzeptiert die NBA die Probleme wie Rassismus und Unterdrückung und verschweigt diese nicht. Die NBA sieht sich als Teil der Gesellschaft und ist deshalb auch in der Verantwortung, auf Missstände aufmerksam zu machen und für Lösungen zu sorgen. Die Spieler werden motiviert und unterstützt, die Verantwortlichen handeln umsichtig und verschweigen nichts. Die NBA und ihre Athleten könnten für viele Sportligen als Vorbild dienen, da sie sich aktiv am Wandel beteiligen und ein Miteinander schaffen wollen, in dem jeder akzeptiert wird. Ganz unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Nationalität – genau wie auf jedem Basketballcourt!

Nicolas

2 Kommentare

  1. Stimmt, aber ich denke es könnte noch mehr gemacht werden; aber zumindest ist das mal ein guter Anfang!
    In der NFL denkt man ja immer noch, dass durch reines Totschweigen das Problem des Rassismus sich selbst aus der Welt schafft… Vielleicht ist diese Rückwärtsgewandheit auch ein Grund für den schleichenden Niedergang oder eventuell nicht ganz so dramatisch den momentanen Verlust des Interesses an American Football: Die Liga beschäftigt sich lieber mit sich selbst als mit den gesellschaftlichen Problemen, die es gibt und die es natürlich auch in der NFL und im Football allgemein gibt…

    Im Übrigen: Toller Artikel!

    Gefällt mir

  2. Im Vergleich zur NFL ist die NBA ein ganzes Stück weiter und das ist – wie du auch sagst – ein guter Anfang!

    Vielleicht liegt es an der Zielgruppe und am Publikum, aber das sind alles nur persönliche Einschätzungen. Grundsätzlich sehe ich die Zuschauer der NBA jedoch als „liberaler“, auch wenn es hier von Team zu Team, von Stadt zu Stadt sicherlich Unterschiede gibt.

    Was den Rückgang der Interesse an American Football betrifft dürften auch die vielen Verletzungen eine große Rolle spielen. Einen Artikel den ich dir diesbezüglich nur empfehlen kann ist dieser: https://theringer.com/bill-simmons-malcolm-gladwell-future-of-the-nfl-b6e14a14124#.4jecvo6wt

    Die 35 Minuten sind dort sehr gut investiert und man bekommt einen tieferen Einblick in die kritische Auseinandersetzung zwischen Fans/Journalisten und den Verantwortlichen in den oberen Etagen der NFL.

    Danke für dein Lob, wir geben natürlich immer unser bestes!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s