The Undrafted Issues – Wie NFL und NBA Rassismus und Unterdrückung begegnen

Am 8. November wird in den Vereinigten Staaten von Amerika ein neuer Präsident gewählt und es tritt ein Mann an, von dessen Hasstiraden und Beleidigungen niemand verschont bleibt – egal ob Schwarze, Hispanics, Lesben, Schwule, Behinderte, Frauen oder einfach nur politische Gegner. Aktuelle Umfragen ergeben, dass circa 40 Prozent der Amerikaner einen Mann wählen wollen, der nichts als Angst und Hass verbreitet und so stark zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt, wie kein anderer vor ihm.

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Erst im August wurde ein afro-amerikanischer Quarterback der San Francisco 49ers zur Zielscheibe all jener, die wieder ins Amerika der 50er-Jahre zurückkehren wollen, ein Amerika in dem Rassentrennung den Alltag beherrschte und Minderheiten offen diskriminiert wurden. Sein Name: Colin Kaepernick. Sein Vergehen: Ein stiller Protest während der Nationalhymne.

I am not going to stand up to show pride in a flag for a country that oppresses black people and people of color.“ – Colin Kaepernick

Man muss verstehen, dass die Hymne – „The Star-Sprangled Banner“ – in den USA als Heiligtum angesehen wird, als Dank an all jene, die ein persönliches Opfer für ihr Vaterland erbracht haben. Der 29-jährige Kaepernick wollte darauf aufmerksam machen, dass „ … sich dieses Land nicht an die Abmachung hält, wenn es darum geht Freiheit und Gerechtigkeit für jeden zu gewähren.“. In seiner Position als Profi-Sportler sieht er sich in der Verantwortung „ … für all jene zu sprechen, die keine Plattform haben, auf der ihre Stimme gehört wird und etwas bewirken könnte.“. Er will auf soziale Probleme und Ungerechtigkeit aufmerksam machen, von der nach wie vor überproportional Schwarze betroffen sind, weshalb er „ … keinen Stolz für eine Flagge oder ein Land zeigen kann, in dem Schwarze und Menschen mit anderer Hautfarbe unterdrückt werden.“.

Die Reaktionen auf diesen Protest waren überwiegend niederschmetternd, er wurde aufs übelste beleidigt, viele unterstellten ihm, er sei unpatriotisch und zeige keinen Respekt für die Frauen und Männer, die im Dienst des Landes stehen. Die Message die Colin Kaepernick verbreiten wollte, ist vielen Menschen völlig egal. Andere Stimmen zeigten Verständnis für sein Anliegen, äußerten sich aber dennoch kritisch über die Art und Weise der Ausführung. Sein Ex-Coach Jim Harbaugh sagte beispielsweise, er unterstütze den Gedanken, aber nicht die „Methode“.

Man kann über die Art des Protestes streiten, ja – aber definitiv nicht über den Inhalt! Leider sagen die vielen negativen Reaktionen sehr viel über eine Gesellschaft aus, in der die Fähigkeit zur Diskussion und zum Kompromiss verloren geht und Meinungen zu Fakten werden, wenn man sie nur laut und oft genug wiederholt. Der Blick richtet sich nur auf die Oberfläche, es zählt nur die sichtbare Aktion – also das Knien während der Hymne – und nicht der Hintergrundgedanke, der zu Gesprächen führen könnte, die das Zusammenleben aller Hautfarben und Religionen verbessern würden.

Diese oberflächliche Wut, die Colin Kaepernick nun entgegen schlägt, verhindert leider, dass sein Anliegen gehört wird und sich die Situation derjenigen verbessert, denen er eine Stimme geben wollte. Symbolismus ist im Jahr 2016 ineffektiv geworden, da sich immer mehr Menschen, immer schneller beleidigt fühlen und in den sozialen Medien einen Shitstorm lostreten.

Der stille Protest von Kaepernick und die äußerst negativen Reaktionen sind für uns eine Gelegenheit hinter die Kulissen zu blicken und zu zeigen, wie die NFL einerseits und die NBA andererseits mit den Themen Rassismus, Unterdrückung von Minderheiten und häuslicher Gewalt umgehen. Ünterstützen die großen amerikanischen Sportligen ihre Athleten oder übernehmen sie gar selbst Verantwortung?

In den nächsten Wochen erscheinen deshalb auf theundrafted.net mehrere „Issues“, in denen wir euch einen tiefen Einblick in die Welt des US-Profisports geben, der mehrheitlich von schwarzen Athleten – aber weißen Coaches und Teambesitzern – dominiert wird und in denen ein Outing im Grunde das Karriereende bedeutet.

The Undrafted steht für MEHR Miteinander, MEHR Dialog, MEHR Respekt und MEHR Vielfalt in einer offenen und friedlichen Gesellschaft. Wir hoffen, ihr unterstützt uns dabei.

Nicolas und Max

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