Chicago Bulls: Ist das Glas halb voll oder halb leer? (Teil 2)

Der erste Teil unserer Saisonvorschau hat sich mit der durchwachsenen Saison im vergangenen Jahr und dem traurigen Abschied von Publikumslieblingen wie Derrick Rose und Joakim Noah beschäftigt. Teil 2  richtet den Blick auf die entscheidenden Neuverpflichtungen während der Free Agency sowie die weitere Vorgehensweise der sportlichen Leitung.

bulls

„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“

Wie von General Manager Gar Forman angekündigt, steuerte die Franchise auf eine Verjüngung des Teams zu. Das Fundament des Teams war mit Spielern wie Jimmy Butler (27), Nikola Mirotić (25), Doug McDermott (24) und Bobby Portis (21) bereits äußerst erfahren, besaß aber trotzdem die Fähigkeit sich zu steigern. Hinzu kamen mit Denzel Valentine (22), Paul Zipser (22), Jerian Grant (24) sehr talentierte Spieler, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen.

Die Veteranen im Team – Taj Gibson (31) und Robin Lopez (28) – gelten als äußerst diszipliniert und hätten gerade den jungen Spielern als Ansprechpartner und Vorbild dienen können.

Völlig überraschend und unnötig verpflichtete das Management innerhalb einer Woche die beiden Ü30-Guards Rajon Rondo (30) und Dwayne Wade (34). Wade plagt sich seit Jahren mit seinen lädierten Knien herum und musste immer wieder Spiele pausieren. Sein Zweijahres-Vertrag in Chicago garantiert ihm aber die stolze Summe von 47 Millionen US-$, ein sehr fragwürdiger Deal.

Rajon Rondo hingegen verdient zwar „nur“ 28 Millionen US-$ in den nächsten beiden Jahren, er gilt aber seit seinem Abgang aus Boston 2014 als schwieriger Charakter und nicht jeder kann sich mit seinem passlastigen Spiel anfreunden.

Man kann wohl behaupten, dass beide Spieler über ein immer einseitigeres Spiel verfügen (Wade: Drive zum Korb; Rondo: Passspiel) und leider ihren Zenit schon überschritten haben. Hinzu kommt, das beide hinter der 3-Punkt-Linie keinerlei Gefahr ausstrahlen. Für den Neuaufbau eines jungen Teams hätte es – gerade in Betracht der hohen Gehälter – bessere Verpflichtungen geben können.

Im weiteren Verlauf der Transferphase verpflichtete man noch Point Guard Isaiah Canaan, der bei den Philadelphia 76ers immerhin 11.0 Punkte und 1.8 Assists erzielen konnte. Mitte Oktober wechselten dann noch Tony Snell und Michael Carter-Williams die Jerseys. Mit Carter-Williams erhalten die Chicago Bulls einen groß gewachsenen Combo-Guard, der jedoch seit seiner Rookie-of-the-Year-Saison 2013/14 auf den Durchbruch wartet. Hinter seinem Wurf und seiner Fähigkeit als Playmaker stehen nach wie vor große Fragezeichen.

Die Starting Five

Bei den Chicago Bulls ist die Startaufstellung eine klare Sache, es fehlt schlichtweg an Breite im Kader. So werden die Männer aus der Windy City wahrscheinlich starten:

PG: Rajon Rondo (Saison 2015/16: 11.9 PPG, 6.0 RPG, 11.7 APG)

SG: Dwayne Wade ( 19.0 PPG, 4.1 RPG, 4.6 APG)

SF: Jimmy Butler (20.9 PPG, 5.3 RPG, 4.9 APG)

PF: Taj Gibson (8.6 PPG, 6.9 RPG)

C: Robin Lopez (10.3 PPG, 7.3 RPG)

Auf dem Papier sieht das äußerst eindrucksvoll aus. Dahinter verbirgt sich jedoch der Verdacht, dass die vielen Rädchen einfach nicht ineinander greifen (können). Drei Spieler sind bereits 30 Jahre oder älter, es steht kein gefährlicher 3er-Schütze in der Startaufstellung und die Mannschaft hatte kaum Zeit sich einzuspielen und das System von Fred Hoiberg besser zu verstehen. Während der Saison ist in der NBA meist keine Zeit um tiefgreifende Vorgänge in Angriff und Verteidigung einzustudieren, da alle zwei bis drei Tage ein neuer Gegner wartet.

Die wirklich interessanten Spieler sitzen leider auf der Bank. Nikola Mirotić kämpft seit seinem NBA-Debüt 2014 mit schwankenden Leistungen, mal spielt er in MVP-Form, dann taucht er wieder ab und bewirbt sich mit einer unterirdischen Defense bei Shaqtin‘ A Fool. Denzel Valentine gilt als hochtalentiert, konnte seine Michigan State Spartans aber nie zum ganz großen Erfolg führen.

Der größte Entwicklungsschritt dürfte von Big Man Bobby Portis zu erwarten sein. In seinem Rookie-Jahr konnte er bereits andeuten, das er an beiden Enden des Feldes zu einer Stütze des Teams heranreifen kann. Aber auch Doug McDermott, Isaiah Canaan und Jerian Grant dürfen auf Spielzeit hoffen – ob sie diese nutzen, hängt ganz von ihnen ab. Die zweite Garde der Bulls könnte also wie folgt lauten: Canaan, Valentine (Grant), McDermot (Zipser), Mirotić und Portis.

Die Leidenszeit geht weiter

Der Transfersommer begann mit einem Paukenschlag, doch das Management hatte einen sinnvollen Plan zur Verjüngung des Teams. Leider wurde dieser Plan direkt nach der Draft über den Haufen geschmissen, die Verpflichtungen von Wade und Rondo waren schlicht überhastet und unnötig.

Es bleibt abzuwarten, welchen Plan die Macher hinter den Kulissen verfolgen. Um Jimmy Butler schweben nach wie vor Trade-Gerüchte, die man jedoch nicht zu ernst nehmen sollte. Ein Abgang des Puplikumslieblings und Leistungsträgers würde die Bulls ans Ende der Eastern Conference katapultieren, man könnte mit den Philadelphia 76ers um die Wette „tanken“. Mit Butler reicht es jedoch auch nur fürs Mittelfeld, die Playoffs werden in dieser Saison wohl ein Wunsch bleiben.

Die Chicago Bulls befinden sich momentan auf einer Sinnsuche, zu stolz für den kompletten Rebuild, zu schlecht für einen tiefen Ritt in den Playoffs. Der Vertrag von Rajon Rondo kann nach dieser Saison aufgelöst werden, mit dem Mega-Vertrag für Dwayne Wade hat man sich jedoch zusätzlichen Spielraum für die kommenden Transferphase genommen. Man wird das Gefühl nicht los, dass das Glas der Bulls halb leer ist.

Nicolas

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