Boston Celtics: Mehr Träume als die Realität zerstören kann! (Teil 2)

In Teil 1 haben wir euch über die Ausgangssituation vor der NBA Draft und der Free-Agency informiert und den Verlauf der Transferphase geschildert. In Teil 2 wagen wir einen Ausblick auf die Saison 2016/17 und darüber hinaus.

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Der Kader Platzt aus allen Nähten

Ganze sechs Spieler haben die Boston Celtics während der NBA Draft verpflichtet, was den bereits aufgeblähten Kader noch einmal zusätzlich vergrößerte. Insgesamt stehen 19 Spieler unter Vertrag, einige von ihnen werden sich im Laufe der Saison jedoch in der NBA Development-League beim Farmteam Maine Red Claws wiederfinden – allen voran die Rookies Damion Lee (PG/SG), Jalen Jones (SF), Ben Bentil (PF) und Marcus Georges-Hunt (SF). Zu Beginn der Saison muss der Kader auf 15 Spieler verkleinert werden, so schreiben es die NBA-Regeln vor.

Auf den Guard-Positionen und unter dem Korb sind die Celtics breit aufgestellt, einzig das Scoring vom Flügel bereitete in der vergangenen Saison Probleme (nur 2 Teams trafen schlechter von jenseits der 3-Punkt-Linie). Am anderen Ende des Parketts zeigten die Männer in Grün jedoch ihr wahres Gesicht. Die Celtics stellten die 7. beste Defense der Liga – und das ohne einen dominanten Rim-Protector im Team. Der Einsatz und die Aufopferung (Platz 2 in den „Hustle-Stats“) sind unbestritten und zeugen von einem Charakter, der viele Gegner vor enorme Probleme stellen wird.

Was steckt im Team?

Die wichtigste Verpflichtung des Sommers ist ganz klar Al Horford. Endlich steht ein Spieler im Kader, der das Spiel unter dem offensiven Korb dominieren kann und das Pick-&-Roll mit Isaiah Thomas forcieren kann. In den letztjährigen Play-Offs konnte Horford außerdem mit Trefferquoten von 46,6 % (2-Pkt), 39,3 % (3-Pkt) und 93,8 % (FT) überzeugen, was für eine äußerst kluge Wurfauswahl spricht.
In der Defense kommt Al Horford das System der Celtics zugute, da er in seiner bisherigen Karriere – bedingt durch die Philosophie der Atlanta Hawks – nicht als Top-Rebounder in Erscheinung treten konnte. Boston verfügt mit Bradley, Smart, Crowder und Rozier über schnelle Verteidiger, die ihre Gegenspieler auch über gut gestellte Picks hinweg verfolgen können und eine intensive Perimeter-Defense spielen. Die Big Men (Horford, Olynyk, Zeller) müssen also nicht so oft aushelfen und können sich darauf konzentrieren, eine gute Verteidigungsposition unter dem Korb zu beziehen.

Nach den Abgängen von Jared Sullinger und Evan Turner ergeben sich gerade für Kelly Olynyk (C, letztes Vertragsjahr), R.J. Hunter (SG, 41 Spiele vergangene Saison) und Terry Rozier (PG, 44 Spiele vergangene Saison) neue Möglichkeiten sich für mehr Spielzeit zu empfehlen. Erfreulich lässt sich auch die Entwicklung von Point Guard Marcus Smart hervorheben, von ihm kann man in dieser Saison den nächsten Schritt auf dem Weg zum Franchise Player erwarten. Zwar waren seine Statistiken im Vergleich zur Rookie-Saison 2014/15 minimal schlechter, sein Auftreten und die Körpersprache zeigten aber deutlich, dass er sich im Team wohl fühlt und Führungsaufgaben übernehmen kann.

Gespannt sein darf man auf den 3. Pick der diesjährigen Draft, Small Forward Jaylen Brown. Kann er das Scoring vom Flügel verbessern? Eine 3-Punkt-Trefferquote von 29,4 % an der University of California spricht auf den ersten Blick eine eindeutige Sprache und lässt Zweifel zu, ob er die richtige Wahl war. Auf den zweiten Blick hat man hier einen 20-jährigen College-Freshmen mit einem starken und athletischen Körper, der laut Celtics-GM Danny Ainge „zwei Workouts mit uns hatte und gezeigt hat, dass er ein sehr viel besserer Shooter sein kann. Er traf (in den Workouts) 38 %.“ In der heutigen NBA kommt auch den Shooting Coaches immer mehr Bedeutung zu, wodurch schon einige hoffnungslose Fälle ihren Wurf verbessern konnten.

Die Starting Five und Hilfe von der Bank

Aufgrund der Kaderveränderungen und den bisherigen Spielen der Pre-Season könnte sich folgende Startaufstellung ergeben:

PG: Isaiah Thomas (Saison 2015/16: 22.2 PPG, 3.0 RPG, 6.2 APG)

SG: Avery Bradley ( 15.2 PPG, 2.9 RPG, 2.1 ABG)

SF: Jae Crowder (14.2 PPG, 5.1 RPG)

PF: Amir Johnson (7.3 PPG, 6.4 RPG)

C: Al Horford (15.2 PPG, 7.3 RPG, 3.2 APG)

Unterm Strich besitzen die Boston Celtics eine äußerst erfahrene Starting Five, die schon in der vergangenen Saison ihr Potenzial unter Beweis gestellt hat. Al Horford hebt die Offense auf ein neues Level, hinzu kommen hungrige und hochtalentierte Rookies sowie zweitjahres-Profis, die ihre Chance wittern. Veteranen wie Gerald Green und Jonas Jerebko sorgen für Entlastung von der Bank, beide können durch ihr Shooting das Spiel in die Breite ziehen und Räume für die Mitspieler kreieren.

Auf den großen Positionen bleibt abzuwarten, wie weit Kelly Olynyk sein Spiel verbessern kann und sich für einen neuen Vertrag empfiehlt. Tyler Zeller wird vereinzelt zum Einsatz kommen, gerade auf Power Forward fehlt jedoch ein potenter Ersatz für Amir Johnson. Auf den Guard-Positionen dürfte sich in der zweiten Garde neben Marcus Smart ein Dreikampf zwischen R.J. Hunter, Terry Rozier und James Young abzeichnen, denn alle drei gelten als hervorragende Schützen, eine Fähigkeit die in Boston aufgrund der vergangenen Saison dringend benötigt wird.

Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft

Für die Saison 2016/17 sind die Boston Celtics bestens aufgestellt, sie besitzen eine weitestgehend eingespielte Mannschaft, ein defensives Fundament und mit Brad Stevens einen der talentiertesten Coaches der gesamten NBA. Darüber hinaus steht für den Sommer 2017 alles bereit, um einen Top-Spieler zu verpflichten – Gehaltsspielraum, Draft-Picks und eigene Spieler, die in der Liga begehrt sind.

Natürlich gibt es auch Raum für Bedenken. Das Management der Celtics ist nach wie vor einen Superstar davon entfernt, um aus einem guten Team ein Championship-Team zu machen. Die Verträge von Amir Johnson und Jonas Jerebko laufen am Ende dieser Saison aus, sollten beide Spieler verlängern, könnte das sehr kostspielig werden. Hinter Jaylen Brown stehen nach wie vor große Fragezeichen, da er das College bereits nach einem Jahr verlassen hat und noch jede Menge Arbeit vor sich hat.

Wenn alle Faktoren berücksichtigt werden und man von einer positiven Entwicklung der jungen Spieler ausgeht, steht den Boston Celtics jedoch eine erfolgreiche Zukunft bevor. Das Team ist nach wie vor eines der jüngsten der NBA, in den nächsten Jahren stehen unzählige Draft Picks zur Verfügung, der Coach aber auch die Mannschaft haben sich in den beiden vergangenen Jahren schneller entwickelt als es viele erwartet haben und die Führungsetage sorgt für eine ruhige Atmosphäre, in der keine Entscheidung übers Knie gebrochen wird.

Play-Off-Serien nach dem Motto „Gut gespielt, trotzdem raus!“ werden wohl der Vergangenheit angehören, die Celtics entwickeln sich zu einem echten Contender im Osten. Ob es am Ende zum ganz großen Wurf und dem 18. Titel reicht, bleibt offen. Die sportliche Leitung hat noch einige Hausaufgaben zu erledigen.

Nicolas

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