Chicago Bulls: Ist das Glas halb voll oder halb leer? (Teil 1)

Die Franchise aus der Windy City gehört zu den beliebtesten Basketball-Teams in den USA und auf der ganzen Welt. Die Erfolge aus den 90ern sind jedoch lange her und die Fans sehnen sich nach dem siebten Titel der Vereinshistorie. Im ersten Teil unserer Saisonvorschau zeigen wir, mit welchen Problemen die Franchise aktuell zu kämpfen hat und welche Moves das Management bereits vor der Free Agency getätigt hat.

bulls

Die Ausgangssituation

Viele Hoffnungen lagen im vergangenen Sommer auf dem neuen Coach Fred Hoiberg, der mit vielen Vorschusslorbeeren von der Iowa State University verpflichtet wurde. Ihm eilte der Ruf voraus, gerade in der Offense das beste aus dem Team herauszuholen. Zusammen mit der defensiven DNA von Ex-Coach Thibodeau – die ja nach wie vor im Team verankert war – sollte der Angriff auf die Spitze im Osten eingeleitet werden.

Die Saison war aber eigentlich schon vorbei, bevor sie so richtig begonnen hatte. Mal wieder verletzte sich Publikumsliebling und Franchise-Player Derrick Rose, wodurch er fast die komplette Saisonvorbereitung aussetzen musste. Während der Saison verletzten sich weitere Stützen des Teams immer wieder, darunter Joakim Noah (nur 29 Saisonspiele), Jimmy Butler (67) oder Nikola Mirotic (66). Bedingt durch viele kleinere Blessuren konnte Rose letztendlich auch nur 66 Saisonspiele bestreiten.

Mit 42 Siegen und 40 Niederlagen verfehlte man das Saisonziel am Ende deutlich und musste erstmals seit der Saison 2007/08 die Play-Offs von der Couch aus verfolgen. Die Gründe für dieses enttäuschende Abschneiden sind zum einen ganz klar die ellenlange Krankenakte der Leistungsträger, zum anderen konnte man keine deutliche Handschrift von Hoiberg erkennen. Die Spielzüge basierten meist auf mehreren Hand-Offs, die kaum Lücken in die Verteidigung reisen konnten und letztendlich in 1-gegen-1-Situationen kurz vor Ablauf der Wurfuhr endeten. Außerdem darf sich der Headcoach unangenehme Fragen gefallen lassen, warum die vielen guten Schützen im Team nicht besser eingesetzt wurden. Die Bulls hatten die drittbesten Trefferquote von jenseits der 3-Punkt-Linie, mit nur 21.4 Versuchen pro Spiel belegte das Team jedoch nur Platz 23 der Liga.

Entweder konnten – oder wollten – die Spieler die Vorgaben ihres Coaches nicht umsetzen. Immer wieder machten sich Gerüchte breit, wonach der Haussegen im United Center schief hängt.

NBA-Draft und Free Agency

Jimmy Butler und Derrick Rose hatten einen internen Machtkampf darüber, wer denn eigentlich der wahre Anführer des Teams ist. Leistungsträger wie Joakim Noah oder Pau Gasol machten bereits während der Saison Andeutungen, dass sie am Ende der Saison ihre Zelte am Lake Michigan abbrechen werden. Und auch Besitzer Jerry Reinsdorf sowie General Manager Gar Forman sorgten immer wieder für Unruhe im Umfeld des Teams.

Eines wurde deutlich, ein Umbruch musste her. Aber wie? Gar Forman wollte „das Team jünger und athletischer machen und somit die Franchise für die Zukunft aufstellen.“.
Mit Shooting Guard Denzel Valentine verpflichtete man an 14. Stelle der NBA-Draft einen hoffnungsvollen Spieler, der ganze vier Jahre für die Michigan State University auflief und ein breites Skillset an Scoring, Play-Making und Defense mitbringt. Hinzu kommt seine Erfahrung und ein äußerst hoher Basketball-IQ.

In der zweiten Runde wurden gerade deutsche Basketballfans positiv überrascht. An 48. Stelle sicherten sich die Chicago Bulls die Rechte an Paul Zipser, Small Forward des FC Bayern München. In den bisherigen Auftritten der Pre-Season hatte Zipser immer wieder Probleme seinen Wurf zu finden und konstant abzuschließen (20 % 3er-Quote). Unbestritten ist hingegen, dass er die nötige Athletik und das Selbstvertrauen für die beste Liga der Welt mitbringt.

Der Hoffnungsträger geht von Bord

Bereits einen Tag vor der Draft erschütterte jedoch ein Erdbeben die Fangemeinde der Chicago Bulls. Derrick Rose wurde zu den New York Knicks getraded. Diesen Satz musste man sich mehrmals durchlesen, um zu verstehen was gerade geschehen war.

Derrick Rose – geboren und aufgewachsen in Chicago, Nummer-1-Pick der NBA Draft 2008 und Hoffnungsträger einer ganzen Stadt. Mit ihm sollte der erste Titel in der Post-Jordan-Ära nach Illinois geholt werden. Unzählige schwere Verletzungen machten diesem Vorhaben jedoch einen Strich durch die Rechnung und Rose war nur noch ein Schatten seiner selbst. Die vielen Comeback-Versuche gingen nicht spurlos an ihm vorüber.

Auf dem Feld agierte er immer zurückhaltender, die krachenden Dunks des 1,91 Meter großen Point Guards gehörten längst vergangenen Zeiten an. In der Öffentlichkeit wirkte er noch introvertierter und schüchterner als zuvor. Man kann ihm in New York nur alles Glück der Welt wünschen, von der großen Erwartungshaltung in seiner Heimatstadt hat er sich mit dem Wechsel auf jeden Fall befreit.

Ein 2.-Runden-Pick (2017) und Justin Holiday landeten zum Ausgleich ebenfalls im Big Apple. Im Gegenzug erhielten die Bulls Point Guard José Calderon (wurde wieder getraded), Center Robin Lopez und Combo-Guard Jerian Grant.

Mit Aaron Brooks (31, Indiana), Mike Dunleavy (36, Cleveland), Pau Gasol (36, San Antonio), E’Twaun Moore (27, New Orleans) und Joakim Noah (31, New York) hatten die Bulls weitere schwerwiegende Abgänge zu verkraften. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Plan zur Verjüngung des Teams konsequent eingehalten und man konnte sich auf ein junges und hungriges Team freuen.

Im zweiten Teil werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Neuzugänge und die strategische Ausrichtung der Franchise für die Zukunft.

Nicolas

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